ADS/ADHS und meine Erfahrungen

Wenn du denkst, dass du alleine damit bist… Wenn du dich schämst… Wenn du denkst, warum es bei euch passiert… Und du gleichzeitig viel nachliest, warum, was und wieso…

Schon am Anfang möchte ich erklären, ich bin kein Psychologe. Wie ich es schon früher schrieb, ich studierte Lehramt für Grundschulen. Das Studium enthielt auch ganz intensiv Psychologie. Dieses Thema war leider nicht oder noch nicht dabei.

Ich möchte hier deshalb nur meine Erfahrungen, Meinung und die dabei erlebten Gefühle beschreiben.

Meine Erfahrungen von früher, als ich noch keine Kinder hatte, bzw. selbst das Problem nicht hatte: In den Schulen und Kindergärten sind diese Kinder meistens I-Kinder, also Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, Inklusionskinder. Kinder mit ADS oder ADHS sind in Regelschulen wenig vorhanden oder werden die Probleme von den Eltern verschwiegen…

Dies kann ich mit Tatsachen begründen: In der Grundschule, wo ich meine Lehramt Anwartschaft absolvierte, waren keine Kinder mit Konzentrationsstörung und Hyperaktivität (oder nicht gesagt, dass sie diese Probleme haben). Wir waren jedoch in der Förderschule zu Besuch, wo es der richtige Trend war. Also Kinder mit Förderbedarf, ADS und ADHS…

Genau zu dieser Zeit fingen die Probleme bei meinem Sohn (2,5) an.

Wir erziehen unsere Kinder zweisprachig, daher ist mir und den Ärzten das Problem, Sprache, also dass mein Kind nicht viel außer Mama und Papa spricht, nicht aufgefallen. Die Ärzte haben auch gesagt, das Kind braucht mehr Zeit. Bis ich meine Einstellung als Lehramtsanwärter in Schule bekam und mein Kind den Kindergarten anfangen musste.

Nach einem Monat haben mich die Erzieherinnen und die Kita Leiterin zusammen aufgeklärt, das Kind gehöre nicht in den Regelkindergarten. Ich sollte eine kleinere Gruppe für Kinderbetreuung suchen. Sie wissen selbst nicht, ob sie in der Einrichtung dem Kind richtig und gerecht, gut helfen können oder nur noch mehr Schaden zufügen.

Sie haben während dem Gespräch Situationen geschildert, wo mein Junge kontinuierlich aus der Kindergesellschaft ausgeschlossen war, wo er den Stuhlkreis mit ständigen Geräuschen gestört hat.

Auf dieser Weise habe ich einen Termin bei unserem Kinderarzt gewünscht und wir haben eine Überweisung zur Pädaudiologie bekommen.

Hier wurde nicht nur die Sprache durch eine Logopädin, sondern auch die Bewegung, Gleichgewicht aber vor allem das Gehör untersucht.

Mir hat bei der Untersuchung besonders gefallen, dass dem Kind nicht nur der Kopfhörer aufgesetzt wurde und gefragt wurde ob er irgendetwas in einem Ohr hört, sondern stattdessen sollte er in die richtige Richtung schauen, woher das Geräusch kam. Zur Belohnung blinkte immer ein Märchenbild auf.

Hier stellte sich leider nicht viel heraus, nur, dass mein Kind mit einem Ohr weniger hört, aber immer noch im normalen Bereich, also er braucht kein Hörgerät oder Ähnliches.

An dieser Stelle möchte ich bemerken, dieser Weg bis jetzt war überhaupt nicht leicht. Die Eltern, wie wir es auch damals, akzeptieren nicht gerne, dass mit dem eigenen Kind etwas nicht stimmt. Es ist besonders schwer, weil das eigene Kind das perfekteste auf der ganzen Welt ist.

Dieses Bild darf auch nicht zerbrechen, auch, wenn solche Probleme auftauchen. Natürlich ist das eigene Kind das Allerbeste auf der ganzen Welt. Es braucht im Moment nur mehr Förderung und Aufmerksamkeit! Ich stellte mir auch die Frage, ob ich an die ganze Situation Schuld bin. Bei der Geburt war alles in Ordnung, außer, dass es mir ganz schlecht danach ging. Ich trank keinen Alkohol, rauchte auch nicht.

Weil ich Angst hatte, dass der Kita Platz für Mein Kind im Kindergarten gekündigt wird, oder dass es meinem Kind wirklich schlecht geht und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird… Aber gleichzeitig hatte ich auch von Förderkindergarten Angst… Jedoch wusste ich, dass woanders besser für mein Kind ist.

Tagesmutter wäre noch eine Möglichkeit. Es ist auch super, die Tagesmütter leisten auch viel. Wir haben uns mit meinem Mann doch für Förderkindergarten entschieden.

Warum? Im Förderkindergarten bekommen die Kinder zwei Förderungen automatisch, der Arzt muss nichts aufschreiben. Es gab Psychomotorik, Logopädie, Ergotherapie und man muss nicht ständig zum Arzt rennen und Rezepte abholen. Die Kinder werden in die Einrichtung mit ASB Bus gefördert und professionell in kleinen Gruppen betreut. Sie hatten sogar ein kleines Schwimmbad, wo sie jede Woche einmal schwimmen hatten.

Also es geschah mit schwerem Herzen, aber es musste sein: Förderkindergarten. Nach dem Förderkindergarten wollte ich alle Steine Bewegen, nicht die Förderschule zu wählen. Warum? Weiß ich selber nachträglich nicht mehr. Es sind wieder die gesellschaftlichen Erwartungen. Ich hatte vielleicht einfach nur Angst, wenn es doch soweit ist, kann sich mein Kind wenig in der normalen Kindergesellschaft einfinden.

Es ging! Nun ich muss es zugeben, wir als Eltern standen hinter unserem Sohn. Jeden Nachmittag lesen üben, Hausaufgaben erledigen. Er kam sogar mit. Die Hausis waren immer aufgeschrieben und mit nach Hause gebracht, so kann man leicht helfen.

In der Schule starteten wir mit offenen Karten, so beantragte uns die Lehrerin sofort eine mobile sonderpädagogische Hilfe. Die Klasse war auch ganz klein in unserem Dorf, nur dreizehn Kinder.

In der zweiten Klasse fiel mir auf, dass mein Kind immer noch monoton spricht, monoton malt. Er malte einheitliche Hochhäuser und Labyrinthe. Labyrinthe, welche eine ganze DIN A 4 Blatt bedeckten. So dachten wir Eltern auf Autismus.

Deshalb gingen wir in das SPZ Zentrum in Erlangen. Hier wurde mein Sohn noch einmal zur Gehöruntersuchung geschickt. Es gibt nämlich nicht nur Pädaudiologie, sondern Audiologie auch….

Also wie ich es verstand, bei dem Zweiten wird untersucht, wie die Frequenzen und dadurch vermittelte Informationen im Gehirn verarbeitet werden.

Schließlich stellte sich heraus, dass er zwar gut hört, aber durch seine Konzentration ist die Auditive Wahrnehmung gestört, also deshalb lernte er zu spät sprechen und deshalb waren die ganzen Probleme, weil er ADS hat. Also kein ADHS, wobei die Kinder auch zappelig und unkonzentriert sind, nur die verträumte Variante, sogar zu ruhig, aber unkonzentriert.

Er hat Medizin bekommen.

Jetzt ist mein Kind in der Pubertät. Die Ärztin schlug uns ein anderes Medikament vor, damit seine Persönlichkeit nicht so sehr gedämmt wird. Nun meiner Beobachtung nach haben die Medikamente momentan mehr Nebenwirkungen als Vorteile. Deshalb verringern wir die Menge nach und nach, vielleicht ist die Zeit somit vorbei, kann mein Kind ohne Medizin zurechtkommen.

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2020/08/28 22:54 · edina